Gregor Schöllgen – Historiker

Neue Wege

25.09.2016 
Vor genau 30 Jahren erschien mein Buch „Das Zeitalter des Imperialismus“, und zwar als Band 15 der Reihe „Oldenbourg Grundriss der Geschichte“ OGG. Die vorläufig letzte, die fünfte überarbeitete und erweiterte Auflage habe ich 2009 gemeinsam mit Friedrich Kießling vorgelegt.

Der OGG verfolgte damals ein neues Konzept. Die Bände bestehen aus drei Teilen, einer zusammenfassenden Darstellung des heutigen Bildes der Epoche, einem eingehenden Bericht über den Stand und die Probleme der Forschung sowie einer umfassenden, gegliederten Bibliographie.

Die Zielgruppe waren „der Student, der Lehrer, der Publizist, aber auch jeder andere, der tiefer in die Geschichte des Imperialismus eindringen will“. So hieß es in einer Zeitungsrezension meines Buches.

Das hat sich geändert, und zwar radikal und in atemberaubendem Tempo. Das Konzept des OGG wird den Hauptzielgruppen, allen voran den Studenten, nicht mehr gerecht. Das Bedürfnis, die Neugier, wohl auch die erlernte Fähigkeit, eine umfangreichere wissenschaftliche Darstellung oder gar einen Forschungsbericht im Zusammenhang zu lesen, sind kaum mehr gegeben. Warum auch immer.

Das ist keine Klage, sondern eine Feststellung – und eine dringende Aufforderung an die Wissenschaft, dem Rechnung zu tragen. Wenn wir diese Generationen nicht verlieren wollen, müssen wir neue, andere Wege finden, um komplexe Themen aufzuarbeiten und zu präsentieren. Ich finde das spannend und bleibe am Ball.