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Noch ein Konflikt

27.02.2019 
Es nimmt kein Ende. Kaum ist ein weltpolitischer Konflikt einigermaßen unter trügerischer Kontrolle, bricht der nächste auf. Gestern hat zum ersten Mal seit dem letzten indisch-pakistanischen Krieg von 1971 die indische Luftwaffe den pakistanischen Luftraum verletzt, heute hat Pakistan zwei in-dische Flugzeuge abgeschossen.

Das ist beunruhigend, denn es bestätigt einmal mehr, dass die disziplinierende Logik des Kalten Krieges aus der internationalen Politik entwichen ist. Zum anderen zeigt der Fall glasklar, dass der europäische Kolonialismus nach wie vor tiefe Spuren in der Weltpolitik hinterlässt. Denn der Konflikt zwischen Indien und Pakistan, der sich in der umstrittenen Kaschmirregion verdichtet und dort jetzt wieder eskaliert, ist eine mittelbare Folge des überstürzten Rückzuges der Briten aus Indien.

Dabei hinterließen sie 1947 mit Indien und Pakistan nicht nur zwei darauf nicht vorbereitete Staaten, sondern auch eine Reihe ungelöster Probleme. Keines dieser Probleme ist bislang auf friedlichem Weg gelöst worden. Auch nicht die Ablösung Ost-Pakistans, die im Zuge des dritten indisch-pakistanischen Krieges 1971 zur Gründung des heutigen Bangladesch erfolgte.

Besonders beunruhigend ist, dass Indien und Pakistan Atommächte sind, und dass mit der Volksrepublik China ein dritter Akteur unmittelbar in den Kaschmir-Konflikt involviert ist. Dass dem zweiten Krieg, den Indien und Pakistan 1965 gegeneinander führten, 1962 ein chinesisch-indischer Krieg vorausgegangen war, ist so gut wie unbekannt oder vergessen.

Dass alle diese Krisen und Konflikte bis heute noch oder heute wieder auf der Tagesordnung sind, gibt zu denken. Wer verstehen will, warum das so ist, findet in meiner Geschichte der Weltpolitik eine Antwort.