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Der vierte Krieg?

18.05.2019 
Politik ist die Summe ihrer Fehler. Könnte man meinen, wenn man auf die Lage am Persischen Golf schaut. Wenn die Lage außer Kontrolle geraten sollte, erleben wir nach den Jahren 1980 bis 1988, 1991 und 2003 dort einen vierten Krieg.

Für ihn würde gelten, was schon für den ersten gegolten hat: Auslöser ist der Iran, maßgeblich mitverantwortlich für die Eskalation sind die Vereinigten Staaten von Amerika.

Mit dem Angriff auf den Iran eröffnete der Irak am 22. September 1980 einen schließlich achtjährigen Zermürbungskrieg, der am Ende auf beiden Seiten mehr Opfer als jeder andere Konflikt seit Ende des Zweiten Weltkrieges forderte. Dass der von Saddam Hussein geführte Irak so lange durchhalten konnte, lag an der massiven Unterstützung durch den Westen, allen voran durch die USA, die den Irak unter anderem mit Kampfjets der Typen F-15 und F-16 versorgten.

Ziel Washingtons war die Beseitigung der iranischen Mullahs, die ihrerseits 1979 Schah Resa Pahlewi, einen engen Verbündeten und Statthalter der USA, in die Wüste geschickt und wenig später 52 amerikanische Diplomaten 444 Tage lang als Geiseln festgehalten hatten.

Am Ende des ersten Golfkrieges stand 1988 ein böses Erwachen. Denn nicht nur ging der Iran gestärkt aus dieser enorm verlustreichen Schlacht hervor; auch der jahrelang hofierte Saddam Hussein ging seiner eigenen Wege, besetzte 1990 Kuwait und wurde jetzt zum neuen Gegner der USA in der Region.

Zwei Kriege führten sie, bis der Diktator 2003 gestürzt und liquidiert war. Dem ersten dieser Kriege, in dem Amerikas Präsident G.H.W. Bush 1991 die Regie führte, lag eine Ermächtigung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen zugrunde; den zweiten Krieg führte sein Sohn Georg W. 2003 mit einer „Koalition der Willigen“ gegen ein ausdrückliches Votum der UN.

Seither ist der Iran auf dem Weg zu einer regionalen Vormacht mit stabilen Außenposten im Libanon und in Syrien, in Palästina und im Jemen – und nicht zuletzt im Irak. In allen diesen Ländern spielt eine von Teheran aus gesteuerte „gewaltige Schattenarmee schiitischer Milizen“ eine kaum zu überschätzende Rolle, die Christoph Ehrhardt gerade in einem sehr informativen Stück für die FAZ dokumentiert hat.

Das ist eine reale Bedrohung des Friedens in der Region und in der Welt. Ob man ihr begegnen kann, indem man den zweifellos nicht perfekten Atomdeal von 2015 kündigt, einen Trägerverband und Langstreckenbomber in die Region verlegt, die Sanktionen drastisch verschärft und damit die Zivilbevölkerung unter Druck setzt, ist fraglich. Eher sieht es nach einem weiteren Glied in der langen Fehlerkette aus.

Warum das so ist, habe ich in meinem Buch Krieg. Hundert Jahre Weltgeschichte aufgeschrieben, das demnächst auch als Paperback erscheinen wird.