Gregor Schllgen  Historiker Gregor Schllgen  Historiker Gregor Schllgen  Historiker Gregor Schllgen  Historiker Gregor Schllgen  Historiker Gregor Schllgen  Historiker Gregor Schllgen  Historiker Gregor Schllgen  Historiker

Tür zu

06.09.2019 
Donald Trump macht den Laden dicht. Hohe Importzölle auf die Waren tatsächlicher oder vermeintlicher Konkurrenten wie zur Zeit insbesondere China sollen der amerikanischen Wirtschaft auf die Beine helfen. Ob das funktioniert, sei dahin gestellt. Die historischen Erfahrungswerte sprechen dagegen.

Ein Blick in die Geschichte fördert aber noch eine andere Erkenntnis zu Tage: Die Zollpolitik des Präsidenten bricht mit dem Selbstverständnis der amerikanischen Handelspolitik, die als open-door-policy, als Politik der Offnen Tür, in die Geschichte eingegangen ist.

Proklamiert wurde sie heute vor 120 Jahren. Am 6. September 1899 schickte der amerikanische Außenminister John Hay gleichlautende Noten an jene Großmächte, die damals Handel in und mit China trieben. Hintergrund waren der erste chinesisch-japanische Krieg von 1895 und seine Folgen.< br/>
Den Annlass für seine Note bildete, wie Hay ausdrücklich betonte, ein Vertrag, den das Deutsche Reich am 6. März 1898 mit China geschlossen hatte. Danach verpachtete das kaiserliche China dem kaiserlichen Deutschland für 99 Jahre das Gebiet von Kiautschou mit dem Hafen Tsingtau. Aus den fast 100 Jahren wurde dann nichts, weil Deutschland am Ende des Ersten Weltkrieges, also gerade mal 20 Jahre später, sämtliche Kolonien, also auch Kiautschou, wieder herausrücken musste. Geblieben ist die Bierfabrik.

In seiner Note vom 6. September 1899 forderte Amerikas Außenminister Deutschland und zeitgleich England, Frankreich, Russland, Italien und Japan auf, dafür Sorge zu tragen, dass die chinesische Tür für alle anderen, die dort Handel treiben wollten, offen blieb.

Wenn man so will, macht Donald Trump jetzt diese Tür zu. Die Verhängung hoher Importzölle auf chinesische Waren führt prompt zu einer entsprechenden Reaktion Chinas für amerikanische Güter.

Natürlich sieht die Welt heute anders aus als vor 120 Jahren. Auch hat China in dieser Zeit sein Gesicht wiederholt radikal geändert. Aber heute wie damals gilt: Wer die chinesische Tür schließt, öffnet weltpolitischen Irritationen das Tor.

Wer sich für das Thema interessiert, sollte das Buch von Gottfried-Karl Kindermann zur Hand nehmen: „Der Aufstieg Ostasiens in der Weltpolitik 1840-2000“, ist zwar schon vor 20 Jahren erschienen, aber nach wie vor das Beste, was es zu diesem Thema gibt.