Gregor Schllgen  Historiker

Putins Gas

27.01.2017 
In zwei Jahren soll es soweit sein. Wenn 2019 die zweite Leitung der sogenannten Ostseepipeline in Betrieb genommen wird, werden jährlich bis zu 110 Milliarden Kubikmeter Gas von den sibirischen Quellen nach Westeuropa strömen. Gleichzeitig wird ein weiteres Kapitel in den deutsch-russischen Energiebeziehungen aufgeschlagen.

Wer heute davor warnt, dass sich Europa und namentlich Deutschland so in eine hohe Abhängigkeit von Russland begebe, übersieht: In beinahe sechs Jahrzehnten ist die Sowjetunion beziehungsweise Russland niemals vertragsbrüchig geworden – wohl aber Deutschland.

Und wenn heute gesagt wird, die Lage unterscheide sich grundlegend von derjenigen der siebziger und achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, ist das schlicht falsch.

Natürlich gab es weder einen russischen Präsidenten Wladimir Putin, noch eine Annexion der Krim, noch einen Stellvertreterkrieg in der Ukraine, noch eine Intervention in Syrien. Aber es gab den obersten Sowjet Leonid Iljitsch Breschnew, und was in seiner Regie bis 1981 geschah, stand den heutigen russischen Aktivitäten in nichts nach. Ich habe diese bemerkenswerte Geschichte einmal für den Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung aufgeschrieben: Gregor Schöllgen – Brandts Röhren, Putins Gas.