Gregor Schllgen  Historiker

Bild des Jammers

23.05.2017 
Die Vorstellung, welche die SPD derzeit dem Publikum zumutet, lässt selbst ihre Kritiker verstummen. Für dieses Bild des Jammers gibt es eine Reihe von Gründen, darunter die schwere Wahlniederlage in Nordrhein-Westfalen.

Die wiederum hat deutlich werden lassen, wo die SPD der Schuh drückt: an der Spitze. Entweder ist Martin Schulz mit dem Amt des Parteivorsitzenden überfordert oder aber er besetzt die falschen Themen. Vermutlich folgt das eine aus dem anderen.

Es ist zwar richtig, dass soziale Gerechtigkeit zum Wertekanon der SPD gehören muss. Wer aber sämtliche übrigen Themen - darunter die innere und die äußere Sicherheit, die Bildung oder auch die Infrastruktur – der sozialen Gerechtigkeit zu- oder nachordnet, läuft im günstigsten Fall Gefahr, nicht ernst genommen zu werden. Und wer konsequent darüber hinwegsieht, dass soziale Gerechtigkeit immer zwei Seiten - „fördern“ und „fordern“ - hat, verliert sich in Phrasen.

So gesehen überrascht es nicht, dass die SPD wieder bei 25 Prozent angekommen ist. Ich habe das schon wenige Tage nach der Wahl von Martin Schulz in einem Interview prognostiziert: „Alles über 25 Prozent wäre ein großer Erfolg“.