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Eine Schande

05.09.2018 
Den meisten Medien war es allenfalls eine Randnotiz wert. Wenn überhaupt. Dabei hat die Entscheidung der USA vom 1. September, die Zahlungen an das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlingen im Nahen Osten UNRWA einzustellen, weitreichende Folgen. Denn die Vereinigten Staaten waren seit 1949 der größte Geldgeber der Organisation.

Inzwischen leben in den fast 60 von UNRWA versorgten Lagern vor allem in Jordanien, Syrien und dem Libanon fast 5,3 Millionen Menschen. Die meisten von ihnen sind Nachkommen der Palästinenser, die insbesondere infolge des ersten Nahostkrieges bis zum Sommer 1949 die von Israel besetzten Gebiete verließen. Ursprünglich waren es etwa 750.000. Dass es heute mehr als 5 Millionen sind, hat einen einfachen Grund: Der Flüchtlingsstatus wird vererbt.

Man kann das mit gutem Grund als politisch nicht mehr haltbar betrachten. Aber der Entzug der finanziellen Unterstützung ist die falsche Antwort. Sie verstärkt die ohnehin gravierenden Probleme aller Art.

Und sie bestätigt einen Grundzug der traditionellen amerikanischen und europäischen Politik gegenüber Ländern wie Jordanien und dem Libanon. Man hat diese Länder „mit „Millionen von Flüchtlingen quasi alleingelassen“. Denn die nahmen und nehmen ja auch noch die meisten jener Menschen auf, die vor dem Bürgerkrieg im benachbarten Syrien fliehen. Sagt der Migrationsforscher und Entwicklungsökonom Paul Collier, einer der profiliertesten Kenner der Materie, in einem lesenswerten Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Und er fügt hinzu: „Europa hätte ausreichend Geld zur Verfügung stellen sollen, um die Lage dort zu verbessern“, „Arbeitsmöglichkeiten“ zu schaffen und den Menschen „ein würdevolles Leben“ zu ermöglichen. Das gilt nicht nur für diese Region, sondern zum Beispiel auch für große Teile Afrikas: „Für jeden Flüchtling in Europa zahlen wir 135 Mal mehr als für einen Flüchtling in der Nähe seiner Heimat.“ Das ist „nicht fair“. „Es ist eine Schande“.