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Der letzte Diplomat

30.11.2018 
George W.H. Bush, der 41. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, war ein Glücksfall für die Welt. Denn er hatte das Amt von 1989 bis 1993, also in einer Zeit inne, als diese Welt die tiefgreifendsten Umbrüche seit Ende des Zweiten Weltkrieges erlebte.

Das ist heute, da er im Alter von 94 Jahren gestorben ist, auch deshalb der Erwähnung wert, weil er zu den amerikanischen Präsidenten zählte, die das diplomatische Handwerk beherrschten. Wer wünschte sich in diesen Tagen nicht eine solche Figur an der Spitze der amerikanischen Administration?

Kaum ein anderer Präsident brachte beim Einzug ins Weiße Haus derart vielfältige Erfahrungen mit – die Zeit als Kampflieger während des Weltkrieges im Pazifik und den Abschuss durch die Japaner inklusive.

Nachdem Bush unter anderem während der sechziger Jahre als Abgeordneter der Republikaner im Repräsentantenhaus einschlägige politische Erfahrungen gesammelt hatte, folgten in den siebziger Jahren prägende Stationen als Botschafter bei den Vereinten Nationen, als Leiter des amerikanischen Verbindungsbüros in Peking und als Direktor der CIA. Acht Jahre als Vizepräsident neben Ronald Reagan rundeten dieses erstaunliche Profil ab.

Wer weiß, wie die Welt heute aussähe, hätte ein Präsident ohne diese Erfahrung während der schweren Krise in China, der Auflösung der Sowjetunion und Jugoslawiens, der Vereinigung Deutschlands oder des Zweiten Golfkriegs das Ruder geführt. Um nur diese zu nennen.

Ich habe diese Präsidentschaft einschließlich der beiden Wahlkämpfe gegen Michael Dukakis beziehungsweise Bill Clinton - zwischen Deutschland und den USA pendelnd – auf beiden Seiten des Atlantik erlebt. Nicht erst seither weiß ich, dass ein außenpolitisch ungemein erfolgreicher Staatsmann über ein innenpolitisches Thema, wie in diesem Falle Steuererhöhungen, stolpern kann.

2004 habe ich eine Fernsehproduktion über das amerikanisch-deutsche Verhältnis beratend begleitet und dazu gemeinsam mit Peter Kloeppel ein Buch geschrieben.