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Was bleibt

08.12.2018 
Zu meinen frühesten Erinnerungen an politische Themen gehören die Meldungen über den Bau der Berliner Mauer. Ich weiß noch heute, wo ich an diesem 13. August 1961 gewesen bin. Es war die Zeit der Sommerferien. Ich verbrachte sie mit Eltern und Geschwistern im Schwarzwald, als die Meldung über die Vorgänge in Berlin im Radio gesendet wurden.

Gerade einmal neun Jahre alt, hatte ich von den politischen Zusammenhängen naturgemäß keine Ahnung. Aber die Stimme des Nachrichtensprechers und die besorgten Minen der Eltern und anderer signalisierten mir, dass Gefahr im Verzug sein musste.

Mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Mauerbau holte mich die Geschichte wieder ein, als wir im Auswärtigen Amt zu dritt die Dokumente für den Jahrgang 1961 der Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland (AAPD) sichteten.

Insgesamt haben Hélène Miard-Delacroix, Kollegin an der Pariser Sorbonne, Andreas Wirsching, Direktor des Münchener Instituts für Zeitgeschichte, und ich 566 Dokumente ausgewählt. Jetzt sind sie in drei Teilbänden und in einem Umfang von 2.384 Seiten erschienen.

Mit den Jahresbänden AAPD 1961 wird die Publikation von Dokumenten des Auswärtigen Amtes für die Jahre 1949 bis 1992 fortgesetzt. Am Ende dieses Jahres 2018 folgen die Bände der AAPD 1988, Ende 2019 dann die der AAPD 1989, also unter anderem die Dokumentation des Mauerfalls. Damit folgen wir dem regulären Rhythmus der AAPD, die jeweils 30 Jahre nach dem Ende der Sperrfrist für amtliche Akten erscheinen. Mehr dazu dann an dieser Stelle.

Die jetzt zugänglichen Dokumente der AAPD 1961 entfalten ein großes Panorama. Sie zeigen auch, in welchem nationalen und internationalen Umfeld der Mauerbau angesiedelt war. Besonders beeindruckt hat mich die Berichterstattung über den Jerusalemer Prozess gegen Adolf Eichmann, einen der Hauptverantwortlichen für die Vernichtung des europäischen Judentums. Die Mauer hat sich erledigt. Was sich mit Eichmann und diesem Kapitel der deutschen Geschichte verbindet, das bleibt.