Gregor Schllgen  Historiker

Der Wille zur Ohnmacht

27.12.2016 
Wer an die Macht will, muss die Macht wollen. Die deutschen Sozialdemokraten wollen sie nicht. Jedenfalls nicht auf der nationalen Ebene, denn hier ist die Oppositionsrolle traditionell ihre optimale politische Daseinsform. Hier fühlen sie sich wohl, hier sind sie zuhause.

In den 150 Jahren, welche die SPD inzwischen zählt, hat sie gerade einmal 23 Jahre den Kanzler gestellt, gut drei Jahre während der Weimarer Republik, 13 Jahre in der alten Bundesrepublik, sieben Jahre im vereinigten Deutschland.

Und die drei sozialdemokratischen Bundeskanzler – Willy Brandt, Helmut Schmidt und Gerhard Schröder – sind nicht an der Opposition gescheitert, sondern an ihrer Partei. Warum das so war und warum die SPD deshalb besser gleich auf einen Kanzlerkandidaten verzichten sollte, habe ich für die Süddeutsche Zeitung aufgeschrieben: Gregor Schöllgen – Opposition, was sonst?