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Die Angst vor dem Volk

16.06.2018 
Den Populismus gibt es eigentlich gar nicht. Jedenfalls bezeichnen sich die als „populistisch“ etikettierten Bewegungen und Parteien in der Regel selbst nicht so. Auch deshalb ist der Begriff von vornherein negativ besetzt.

Tatsächlich verbindet diese westeuropäischen Bewegungen und Parteien nur ein Reflex: die Ablehnung der Europäischen Union in ihrer heutigen Verfasstheit. Bei den Versäumnissen und Defiziten, die ihr angelastet werden, rangiert an vorderster Stelle eine gemeinsame, angemessene Antwort auf die massive Immigration, die von vielen Bürgern als Überforderung wahrgenommen wird. So gesehen verharrt die EU wie der Westen insgesamt seit 25 Jahren in überlebten Strukturen.

Die Positionen, die von den sogenannten populistischen Bewegungen besetzt werden, sind in den Augen ihrer Anhänger deshalb „populär“, weil sie gerade nicht in der Vergangenheit festsitzen, wie ihre Gegner und Kritiker unterstellen.

Dass die führenden Figuren einiger dieser Bewegungen womöglich nicht nur die Strukturen dieser jüngeren Vergangenheit auflösen wollen, die ist wohl wahr. Dem gilt es Einhalt zu gebieten. Aber das tut man nicht, indem man sich an diese Vergangenheit klammert. Wer den Westen retten will, muss ihn von Grund auf reformieren. Es ist Fünf vor Zwölf. Und die Gefahr der Torschlusspanik wächst mit jedem Tag. Die Alternative, nämlich einen womöglich irreversible Renaissance von Nationalismus und Chauvinismus, kann niemand wollen. Ich habe das in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung analysiert: Gregor Schöllgen – Abendland? Ist abgebrannt..